Horbacher Frauen proben mit 12 Brüdern und einem unnützen Mann

Frauenchor rüstet sich im Vogelsberg für die kommenden Auftritte

Freigericht-Horbach/Grebenhain. Auf zu neuen Taten: Nach dem „goldenen“ Erfolg in Kalamata/Griechenland im vergangenen Herbst, stehen 2020 für den Frauenchor Horbach neue Herausforderungen an, für die sich der Chor um Ernie Rhein auf seinem Probewochenende vorbereitete.

Dieses Mal ging es in den Vogelsberg nach Grebenhain. Von Freitag bis Sonntag wurde intensiv und konzentriert geprobt und einige neue Stücke erlernt, unter anderem für den sakralen Wettbewerb in Frickhofen am 9. Mai oder zuvor für den Auftritt bei der Verleihung der Ehrenamtscard des Main-Kinzig-Kreises am 31. März und einem Galakonzert in Siegen am 18. April. Auf dem Probenplan standen das neue Jaakobin pojat, ein finnisches Arrangement, in denen ausschließlich die Namen der 12 Söhne Jakobs auf ganz unterschiedliche Weise aufgezählt werden. Finnisch ist auch das Werk „Kappee“, das zum neuen Paradestück der Frauen werden könnte. Darin geht es in rasantem Tempo über ein Mädchen, das sich über ihren unnützen Mann beklagt. Geprobt wurde auch „The Scientist“ von Coldplay, arrangiert von Ernie Rhein, und „Bring me litte water, Sylvie“, ein amerikanisches Volkslied, das den Frauen besonders hohe Konzentration abverlangt, da das Stück erst besonders durch seine Choreographie lebt. Neben dem Einstudieren kamen natürlich die geselligen Momente nicht zu kurz. Abends wurde gemeinsam in lockerer Runde gefeiert, gesungen und das ein oder andere Gläschen zur Belohnung für die harte Arbeit genossen. mk

 



Das Konzert der Meisterchöre

Am Sonntag, 26. April, in der Geiselbacher Kirche

Das Hessische Chorfestival 2018 in Bad Schwalbach beinhaltete einen Wettbewerb mit einer Besonderheit: Die besten Chöre dürfen sich nach der Wertung einer unabhängigen Jury seit diesem Festival mit dem Zusatz „Meisterchor des Hessischen Sängerbundes“ schmücken.

Diplom-Chordirigent Ernie Rhein schaffte das Kunststück, mit beiden seiner damals angetretenen Chöre das Qualitätssiegel zu bekommen: Sein gemischter Chor „SomeSingers“ und der Männerchor Horbach sind seither Meisterchöre.

Und seit Bad Schwalbach wird eine Idee diskutiert, die nun in die Tat umgesetzt wird – das Konzert der Meisterchöre von Ernie Rhein. Am Sonntag, 26. April, gibt die Geiselbacher Kirche den Rahmen für meisterlichen Chorgesang: Zu hören sind nicht nur geistliche und weltliche Werke, die den Horbacher Männern in Bad Schwalbach zum Erfolg verhalfen, sondern auch Stücke, die beim Wettbewerb in Kalamata/Griechenland von der internationalen Jury hervorragend bewertet wurden. Die SomeSingers werden neben einigen Premieren ganz besondere Stücke mit Improvisationselementen präsentieren, welche die Kirche in einen besonderen Klangraum verwandeln werden. Verpassen Sie nicht dieses besondere Konzert der Meisterchöre.

Der Vorverkauf hat begonnen. Karten gibt es in Geiselbach in der Bäckerei Hartmann und der Brennerei Huth (Hauptstraße 8), in Freigericht im Gasthaus Schaffrath (Horbach) und in „Das Buch“ (Somborn), der Kelterei Trageser (Altenmittlau) und dem Kiosk Luy (Neuses), sowie unter Tel. 0160 3685652. Am Abend gilt die freie Platzwahl.

 



Die bunten Stühle von Horbach

n einem Regal sind zahlreiche Pokale angeordnet, an den Wänden gibt es große Poster vom Frauen- und vom Männerchor. Doch wer zum ersten Mal den Probenraum der Horbacher Chöre betritt, dem fällt zunächst eine Besonderheit auf: Zahlreiche der Stühle sind bunt bemalt. Sie sind „personifiziert“. Es ist das Werk von Sängerin und Vorstandsmitglied Anja Bohländer.

Die Vorgeschichte ist diese: Seit einigen Jahren sind die Horbacher Chöre die einzigen Nutzer des Saales im altehrwürdigen Horbacher Gasthaus Schaffrath. Gast- und Vereinswirt Johannes Franz hatte nichts dagegen, als der Gesangverein vor sechs Jahren mit seinem Vorschlag vorstellig wurde, den Saal nach eigenen Vorstellungen umzugestalten. Und er hatte auch nichts dagegen, als Anja Bohländer, die damals mit anderen Frauen „alle Stühle abgeschrubbt“ hatte, ihren ungewöhnlichen Wunsch äußerte: Zum bevorstehenden 50. Geburtstag des langjährigen Vorstandsmitglieds Michael Müller sollte es im Jahr 2014 ein außergewöhnliches Geschenk sein. Für den bekennenden Gladbach-Fan gab es einen grün bemalten Stuhl mit der Borussen-Raute – er war eine große Attraktion bei der Geburtstagsfeier. Das war Stuhl Nummer eins. Stuhl Nummer zwei ging ein paar Monate später an Volker Kessler. Der gebürtige Horbacher ist nach Karben verheiratet und hat von allen Sängern die weiteste Anfahrt zur Chorprobe. Also finden sich auf seinem Stuhl die Wappen von Horbach und Karben wieder, dazu die Kilometerzahl der einfachen Fahrt (39,9 Kilometer) und die geschätzte Gesamtzahl der Kilometer, die der Sänger schon gefahren ist, um seinem Hobby nachzugehen (70 224). Die Wappen sind wie alles andere mit freier Hand gemalt. „Schablonen benutze ich nicht“, sagt Anja Bohländer. Die Schneidermeisterin hat ihre künstlerische Ader seither noch viele Male an den Sitzgelegenheiten ausleben können. Für die reisefreudige Birgit Seliger gab es beispielsweise einen Stuhl mit Sonnenuntergang, für den Polizisten im Chor einen Stuhl mit Blaulicht, der traktorfahrende Kerb-Bierchef Raphael Harth erfreut sich an Bildern seiner Lieblings-Traktoren plus Kerbzelt und Kerbbaum. Auf den Lehnen hinten ist jeweils der Name des Beschenkten vermerkt.

Während bei den „Frauen-Stühlen“ Blumenmotive vorherrschen, kommt bei den Männern vor allem die Fußballleidenschaft zum Ausdruck. Neben mehreren Gladbach-, Bayern- und Eintrachtstühlen gibt es auch einen Kickers-Stuhl für OFC-Fan Rene Schaffrath. „Dieser Stuhl gehört zu denen, die ich nicht bemalt habe.“ Ein anderer Stuhl, den sie nicht bemalt hatte, ist ihr eigener zum 50. Geburtstag vor einem Jahr. Denn, und das ist Anja Bohländer wichtig: „Es gibt keinen Automatismus, die Aktion hat streng genommen nichts mit dem Verein zu tun, sie ist sozusagen Privatsache.“ Natürlich stehe jedem Vereinsmitglied offen, sich als Stuhlmaler zu versuchen.

Mittlerweile aber werde es schwierig. „Die gut zu bemalenden Stühle mit breiter Lehne sind aufgebraucht“, sagt Anja Bohländer. Das jüngste Werk entstand bereits auf einem bei Ebay erstandenen Exemplar.





Drei Golddiplome in Griechenland ersungen

Freigerichts Bürgermeister Albrecht Eitz reagierte mit seinen Glückwünschen sofort.  Klaus Ritter, Ehrenvorsitzender des Chorverbandes Main-Kinzig, schwärmt von der »bestmöglichen Werbung für den Chorgesang«. Befreundete Vereine und Dirigenten gratulierten auf  Facebook zum Erfolg der Horbacher Chöre beim dritten internationalen Chorwettbewerb in Kalamata in Griechenland.

Beim dritten internationalen Chorwettbewerb von Kalamata (vom 9. bis 13. Oktober)

Männerchor Horbach (Germany)

waren 37 Chöre aus 14 Ländern dabei. Die Punktewertung der Juroren entsprach dem »Musica-Mundi«-Wertungssystem, das eine Bandbreite von 0 bis 30 Punkten umfasst. Bewertet werden unter anderem die Tonreinheit, die Dynamik und die Schwierigkeit der Vorträge. Bis 10,5 Punkte wird das bronzene Diplom vergeben, ab 10,5 Punkte das silberne und ab 20,5 Punkten das Golddiplom.
Der Frauenchor Horbach erreichte im sakralen Wettbewerb 24,85 Punkte und im weltlichen Wettbewerb 23,60 Punkte. Der Männerchor erreichte in seiner Kategorie 25,33 Punkte. Horbach erhielt also drei goldene Diplome. Der Gesamtsieger des Festivals, der norwegische Frauenchor »Viva« erreichte in derselben Kategorie, in der auch die Männer antraten, 25,84 Punkte. Der geringe Abstand wurde von den Männern als Sensation gefeiert. Abgerundet wurde der Erfolg mit dem Preis für den besten Dirigenten des gesamten Festivals, der an Ernie Rhein vergeben wurde.
Für den Männerchor war es nach Riva del Garda (1993) und Calella (2013) die dritte (und mit Abstand erfolgreichste) Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Der Frauenchor hatte nach Calella/Barcelona seinen zweiten internationalen Auftritt.
Der Männerchor konnte mit 46 seiner insgesamt 57 Chormitglieder anreisen, der Frauenchor mit 45 seiner 60. Mit Fans summierte sich die Reisegruppe auf 124 Personen. Beide Chöre zählten in Kalamat

Frauenchor Horbach (Germany)

a zu den großen Teilnehmerchören. Der Männerchor war der einzige des gesamten Wettbewerbs. In der Kategorie »Chöre gleicher Stimmen, Schwierigkeitsstufe eins« traf der Chor erstmals auf den späteren Gesamtsieger des Wettbewerbs, den Frauenchor »Viva« aus Norwegen, sowie den Frauenchor »Belcantes« aus Griechenland. Dass Horbachs Männer letztlich nur 0,5 Punkte hinter den norwegischen Frauen eingestuft wurden, war eine der echten Überraschungen.
Überhaupt hatte die Jury von Beginn an Gefallen an den Männern gefunden: Bereits vor der Veranstaltung wurde der Männerchor (aufgrund von eingesandten Choraufnahmen) von den Wertungsrichtern zu einem Gala-Konzert eingeladen.
Dass man sich letztlich sogar zum Großpreis-Singen der sieben besten Chöre qualifiziert hatte, geht zweifellos in die Vereinsgeschichte ein.

Und auch das wurde anerkannt: Die Beiträge des Frauenchores beim sakralen Wettbewerb waren wahrscheinlich qualitativ das Beste, das der Chor seit seiner Gründung vor 31 Jahren auf die Bühne gebracht hat.

In Gesprächen mit Wertungsrichtern, Dirigenten und Zuhörern ergab sich ein klares Bild: Gelobt wurde die Qualität der Horbacher Chöre und die extrem abwechslungsreiche Programmgestaltung. Mächtige Chorale, eine kurios-witzige Ringelnatz-Vertonung (von der »Hochseekuh«), zarte Liebeslieder oder auch einen Kriegsgesang frei nach »Game of Thrones« –  Ernie Rhein deckte mit seinen Akteuren fast jeden Bereich ab. Insgesamt dirigierte er 20 Chorstücke  –alle ohne Noten, alle (dank absolutem Gehör) ohne Stimmgabel bei der Tonangabe. Das machte Eindruck.  Sein Preis für den besten Dirigenten des Festivals wurde nicht nur im Lager der Horbacher bejubelt. Ernie Rheins These hat sich bewahrheitet: »Nichts ist für Publikum und Jury langweiliger, als ein Lied wie das andere zu singen.«



Nächste Seite »